Was gestern im Fernsehen Wichtiges zu sehen war und von mir archiviert wurde. Täglich im rauskuck.

Völkermord, "Crimes against Humanity", Weltjustiz #2                  

(siehe auch Ruanda)

Krieg, Rüstung, Militär und Waffen haben jetzt eine eigene Rubrik.

  Völkermord #1 

 (letzter Eintrag 3.8.21)

Datum Beitrag Sender (Schlüssel) Länge (Min.)
4.1.20

Ein Beitrag über die Klage gegen sechs Elektronikkonzerne, die für ihren Bedarf an Kobalt im Kongo ein System der Zwangsarbeit und Kinderarbeit betreiben. Infos dazu vom Aktivisten Kambale Musavuli (Friends of the Congo).

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7.1.20

 

 

 

 

 

"Unter Herrenmenschen - Der deutsche Kolonialismus in Namibia" - Dokumentarfilm von Christel Fomm. Sehr gute Schilderung der entsetzlichen Geschichte bis zur beschämenden Gegenwart, aus der Sicht der Betroffenen. Sehr sehenswert.   ¤¤

Text von arte: "Die Geschichte des deutschen Kolonialismus in Namibia ist kurz, aber grausam. 30 Jahre lang herrschte Deutschland über die Völker Namibias, und noch heute leidet das Land unter dieser Vergangenheit. Als es 1904 zu einem Aufstand der Herero kam, erließ der deutsche General Lothar von Trotha den Befehl, alle Herero zu erschießen oder zu vertreiben ...
Als bei der Berliner Afrikakonferenz 1884 die europäischen Kolonialmächte über Grenzen verhandelten, erhielt auch Deutschland seinen „Platz an der Sonne“. Doch die deutschen Siedler in Namibia gerieten bald in Konflikt um Land mit den Einheimischen. Die deutschen „Herrenmenschen“ kamen mit der Bibel, aber ihr Gebaren gegenüber den Völkern Namibias war alles andere als christlich. Betrügerische Vertragsabschlüsse, Gewalt und Missbrauch führten dazu, dass der Herero-Chief Samuel Maharero formulierte, der Krieg könne nicht schlimmer sein, als das, was die Herero und Nama unter den neuen Herren erleiden müssten.
Es kommt zum Aufstand, am 12. Januar 1904 fallen die ersten Schüsse. Büros der deutschen Verwaltung, Bahnhöfe und Geschäfte werden überfallen und zerstört, weiße Farmer ermordet. Ihre Frauen und Kinder werden verschont.
Das Deutsche Reich reagiert mit größter Grausamkeit. Nach der berühmten Schlacht vom Waterberg 1904 werden die Aufständischen und ihre Familien in die Omaheke-Wüste getrieben, die einzigen Wasserstellen werden vergiftet oder von deutschen Soldaten abgeriegelt. 85.000 Menschen verdursten und verhungern qualvoll bei diesem ersten offiziell geplanten Völkermord der Geschichte.
Nach dem Aufstand regieren die Deutschen mit eiserner Faust. Ländereien werden enteignet, in Konzentrationslagern müssen willkürlich inhaftierte Einheimische unter Bedingungen schuften, die Tausenden das Leben kosten.
Die Wunden der Vergangenheit prägen das Land bis heute – und die betroffenen Volksgruppen Namibias kämpfen noch immer um die Aufarbeitung durch den deutschen Staat."

arte

 

 

 

 

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5.3.20

Der ICC hat offiziell Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan aufgenommen, und zwar gegen alle Kriegsparteien, also auch die US-Besatzungstruppen und US-Geheimdienstler. Trumps Außenminister Pompeo wird selbst für seine Maßstäbe extrem ausfällig und beschimpft den ICC als "sogenanntes Gericht". Bei AJE Hintergrundinfos von Toby Cadman (Völkerrechtler), bei Euronews ein Bericht.

A,E zus.4
           
11.3.20

Ein Beitrag über Benjamin Ferencz, der jetzt 100 Jahre alt wurde. 1947 war er als junger Jurist Chefankläger beim Einsatzgruppen-Prozeß in Nürnberg gegen einige Haupttäter des Völkermordes an den europäischen Juden. Später war er wesentlich beteiligt an der Gründung des ICC. Er stellt fest, daß bis heute Kriegsverbrechen stattfinden und daß man Regierende abwählen muß, die kein humanistisches Weltbild haben. (In der auch sonst sehr klugen Einleitung spricht Claus Kleber von "Verbrechen gegen die Menschheit", statt das Dummwort "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu verwenden.)  ¤

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15.3.20

Thomas Lubanga wurde 2012 als Erster vom ICC verurteilt, zu 14 Jahren Haft wegen der Rekrutierung von hunderten Kindersoldaten im Bürgerkrieg in der DR Kongo. Jetzt wurde er in Kinshasa vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und von einigen tausend Anhängern wie ein Held gefeiert.

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25.4.20

In Frankfurt steht ein Iraker vor Gericht, der sich 2016 als ISIS-Mitglied am Völkermord an den Yeziden beteiligt haben soll. Bei AJE Infos aus Frankfurt und Einschätzungen von Mirza Dinnayi (yezidischer Menschenrechtler).

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3.5.20

Beitrag über das Theater des Milo Rau. Er will mit Theater die Welt verändern, indem er die Welt zum Theater macht. Nach seinen Projekten "Hate Radio" zum Völkermord in Ruanda, dem "Kongo-Tribunal", den "Moskauer Prozessen", dem "Neuen Evangelium" mit Geflüchteten in Italien, wollte er in Amazonien mit indigenen Darstellern das Stück "Antigone im Amazonas" (nach Sophokles) inszenieren und dabei die Ursachen der Zerstörung des Lebensraums Regenwald verdeutlichen. Es geht um den Kampf von Präsident Bolsonaro gegen die indigenen Stämme, des globalen Agrobusiness gegen die Landlosen. Wegen Corona konnte das Projekt dort nicht stattfinden. Rau: Bolsonaro sieht in Corona eine Chance, die störenden Regenwaldbewohner auszulöschen. In der Corona-Krise gab es einige Momente, in denen wir plötzlich "die Goldene Stadt auf dem Hügel" aufleuchten sehen konnten, die mögliche bessere Welt ohne Umweltverschmutzung und Konsumwahn. Es ist wie im Theater: man sieht plötzlich, was möglich ist.  ¤¤

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15.5.20

Schon seit zwei Monaten läuft eine Kampagne gegen den kamerunischen Historiker Achille Mbembe, der die israelische Besatzung Palästinas als Form des Kolonialismus verurteilt. Ein paar Israelfans, u.a. der sog. "Antisemitismusbeauftragte" (sic!) der Bundesregierung werfen ihm darum "Antisemitismus" vor. Jüdische Intellektuelle nehmen Mbembe in Schutz. Mbembes Arbeit kreist seit Jahrzehnten um die Kritik an rassistischer Unterdrückung. Und der soll nun selber Antisemit sein? Micha Brumlik spricht von einem neuen McCarthyismus gegen jeden, der im Verdacht steht, jemanden zu kennen, der irgendwie mit BDS zu tun hat.  ¤ 

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11.6.20

Trumps "Außenminister", der Schwachkopf Pompeo, gibt bekannt, daß die USA Sanktionen gegen die Juristen des ICC verhängen. Die US-Regierung würde es nicht dulden, daß amerikanische Kriegsverbrecher von einem "Kangaroo Court" bedroht würden.

A,C,TS zus.9
           
12.6.20

Bericht bei arte über Trumps Drohungen gegen die Juristen des ICC.

Bei AJE dazu die "Inside Story: Why is the US targeting the International Criminal Court?" - Imran Khan spricht mit Brett Schaefer (Heritage Found.), Fergal Gaynor (Anwalt beim ICC, Vertreter von Opfern u.a. in Afghanistan) und Toby Cadman (Experte für Völkerrecht).-  (NNA)*

arj

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30.6.20

Der belgische "König" Philippe erklärt am 60. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongo sein "tiefes Bedauern" über die Verbrechen seines Vorgängers Leopold II. Unter dessen brutaler Kolonialherrschaft im Kongo wurden etwa 10 Millionen Menschen getötet. Eine echte "Entschuldigung" oder gar eine Anerkennung des Völkermordes bleibt aber aus - eine Entschädigung für das bis heute neokolonial ausgebeutete Land wird es nicht geben. Einige Nachrichtenbeiträge, und bei "kulturzeit" ein Hintergrund¤

A,arj,E,ktzt,JA

zus.20
           
14.7.20

Beim ICC in Den Haag hat der Prozeß gegen Al Hassan Ag Abdoul Aziz begonnen. Ihm wird vorgeworfen, daß er als Chef der "Religionspolizei" der Jihadistengruppe Ansar Dine während deren Herrschaft in Timbuktu 2012 für den Terror gegen die Bevölkerung und die Zerstörungen von Weltkulturerbe verantwortlich war. Vier Berichte aus Den Haag, und ein Rückblick von Nicolas Haque auf die Terrorherrschaft der Islamisten und ihre wahnwitzige Zerstörung von heiligen Stätten und uralten Dokumenten - ein Verbrechen nicht nur gegen die Menschheit, sondern auch gegen den Islam. Zum Glück haben damals die Bürger der Stadt, vor allem Frauen, einen Großteil der alten Schriften in Sicherheit gebracht.  ¤

A,B,arj,TS

zus.11

             
28.8.20

Burundi fordert von den ehemaligen Kolonialmächten Belgien und Deutschland eine Anerkennung der damals begangenen Verbrechen sowie Entschädigungszahlungen von zusammen 36 Milliarden Euro.  ¤   

E 1
             
2.9.20

Trumps "Außenminister" Pompeo gibt bekannt, daß die USA "Sanktionen" gegen die Ankläger des ICC verhängen, weil diese weiterhin auch Kriegsverbrechen von US-Soldaten in Afghanistan verfolgen. OT von Pompeo, Infos aus Washington von Mike Hanna.

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8.11.20 Weltjustiz : Über den Zukunftsfilm "Ökozid" von Andres Veiel. Im Jahr 2034 haben die Länder des Südens die deutsche Bundesregierung vor dem IGH verklagt, weil sie nicht für den Klimaschutz gehandelt hat. Der Film zeigt die fiktive Verhandlung mit dokumentarischen Rückblenden. Der Film wird am 18.11. in der ARD gezeigt.  ¤

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18.11.20

"Ökozid" - Science-Fiction-Gerichtsdrama von Andres Veiel. Der historische Schadensersatzprozeß im Jahr 2034 von Ländern des Südens gegen die BRD, weil die BRD ihre Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht erfüllt hat.  ¤

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1.12.20

Nachdem Klimaschützer in den Niederlanden bereits erfolgreich die Regierung auf einen verschärften Klimaschutz verklagt haben, haben nun 13 Umweltverbände den Ölkonzern Shell verklagt. Sie fordern, daß der Konzern sich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 45 % und bis 2050 um 100 % zu reduzieren. Sie wollen u.a. beweisen, daß der Konzern schon seit 30 Jahren über seine Rolle bei der Erderwärmung bescheidweiß und gezielt Lobbyisten gegen den Klimaschutz eingesetzt hat. Der Konzern nennt die Klage "unbegründet", dabei haben die Klimaschützer noch nicht einmal einen Schadensersatz gefordert. Bei AJE ein Bericht und Erläuterungen von Nikki Reisch (Center for int. environmental law). Dazu Bilder von riesigen Haufen von abgeholzten Urwaldriesen in Brasilien. (Jeder einzelne dieser Bäume müßte unter Naturschutz stehen - ihn zu fällen ist ein Verbrechen gegen den Planeten.) - Auch bei arte ein Bericht.

A,arj

zus.11

           
13.12.20

Beitrag über Benjamin Ferencz, der jetzt mit 100 Jahren seine Autobiographie veröffentlicht hat ("Sage immer deine Wahrheit"). Er war 1945 einer der Hauptankläger in Nürnberg gegen die Naziverbrecher und hat sich jahrzehntelang für die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) eingesetzt. Heute kritisiert er sehr deutlich die Massenmordphantasien des Donald Trump. "Recht, nicht Krieg ist die Antwort."  ¤

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24.1.21

Brasilien : Raoni Matuktire, der Häuptling der Kayapo, hat über den Anwalt William Bourdon beim ICC Klage gegen Präsident Bolsonaro erhoben. Ihm werden wegen der Zerstörung des Amazonas-Urwaldes und der Entrechtung und Verfolgung der Ureinwohner Völkermord und Menschheitsverbrechen vorgeworfen.

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4.2.21

Der ICC hat Dominic Ongwen wegen Kriegsverbrechen und Menschheitsverbrechen in 61 Fällen schuldig gesprochen (u.a. Mord, Vergewaltigung, Folter, Raub, Plünderung). Ongwen war als Neunjähriger im Norden Ugandas von der LRA entführt worden, und dort dann als Kindersoldat selbst zu einem der Anführer der Bande aufgestiegen. Seine Verteidiger haben reklamiert, er sei selbst ein Opfer gewesen. Das Gericht hat festgestellt, daß er trotzdem selber für seine Verbrechen verantwortlich ist. Das Strafmaß wird erst später verkündet. - Diverse Berichte aus Den Haag. Bei BBC-FoA berichtet Patience Atuhaire außerdem über Reaktionen in Uganda.   ¤

A,B,arj,TS,hj

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3.3.21

Der ICC beginnt mit der Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen im besetzten Palästina, und zwar ausdrücklich Verbrechen beider Seiten. Netanjahu nennt die Untersuchung "antisemitisch" (OT, sinngemäß: "alle Anderen dürfen Zivilisten ermorden, nur wir nicht. Das ist antisemitisch.") und auch der neue US-Außenminister lehnt sie ab.  - Bei AJE ausführliche Infos und Berichte, Einschätzungen von Marwan Bishara und Max Blumenthal. Bei CNN Einschätzungen von Luis Moreno Ocampo (Ex-Ankläger beim ICC). - Bei den deutschen Sendern nichts: keine Berichte, keine Meldungen. Nur bei Euronews ein Bericht ¤

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11.4.21

Über die Dokumentarfilmserie "Exterminate all the Brutes" von Raoul Peck über die Folgen von Rassismus und Kolonialismus. Parallelen zwischen den Völkermorden an den amerikanischen Ureinwohnern, der Versklavung von Afrikaner*innen und dem Nazi-Holocaust. Völkermord als Ursünde.  ¤

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24.4.21

US-Präsident Biden hat formell den Völkermord des Osmanischen Reichs an den Armeniern (ab 1915, etwa 1,5 Millionen Ermordete) als solchen anerkannt. Er ruft die Türkei auf, zu ihrer historischen Verantwortung zu stehen. Das Erdogan-Regime protestiert.

A,TS,E zus.8
           
6.5.21

Im Februar hatte der ICC den früheren LRA-Anführer Dominic Ongwen wegen zahlreicher Kriegsverbrechen und Menschheitsverbrechen schuldig gesprochen. Jetzt wurde das Strafmaß verkündet: 25 Jahre Haft. Ein Bericht von Malcolm Webb, und bei BBC-FoA Infos aus Den Haag von Anna Holligan und aus Kampala von Patience Atuhaire.

A,B zus.7
24.5.21

Vor dem ICC hat der erste Prozess gegen einen Verantwortlichen des Völkermordes in Darfur begonnen. Ali Abd-Al-Rahman, dem früheren Chef der Janjaweed-Miliz, werden zahlreiche Kriegsverbrechen und Menschheitsverbrechen vorgeworfen, u.a. die Verantwortung für Folter, Massenhinrichtungen und Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe. Bericht aus Den Haag von Step Vaessen.

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27.5.21

Die Bundesregierung hat sich mit der Regierung von Namibia auf eine Formel geeinigt, wie die BRD den Völkermord Deutschlands an den Herero und Nama anerkennen kann, ohne sich zu Reparationen zu verpflichten. Die BRD wird eine eher symbolische "Wiedergutmachung" zahlen. Ein Teil der Nachfahren der Überlebenden lehnt solche Mauscheleien weiterhin ab. (Gerecht wäre, wenn Deutschland solange und soviel Reparationen an Namibia zahlt, bis in der früheren Kolonie derselbe Wohlstand herrscht wie hier.)

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28.5.21

 

 

 

 

 

Deutschland hat offiziell seinen Völkermord an den Herero und Nama anerkannt und verspricht die Zahlung von jährlich 30 Millionen Euro an Namibia. Direkte Unterstützung für die Nachfahren der Opfer und Reparationen für die Kolonisierung Namibias soll es aber nicht geben. Die Vereinbarung wurde nur zwischen den Regierungen von Namibia und Deutschland geschlossen. Die Nachfahren der Herero und Nama waren nicht einbezogen, und sie lehnen die Vereinbarungen und die lächerlichen Zahlungen an eine korrupte Regierung ab.

Bei AJE Hauptthema des Tages, mit Hintergrundinfos, einem Bericht und Einschätzungen / Bewertungen von Israel Kaunatjike (Vertreter der Herero in Deutschland, "No Amnesty on Genocide"), Netumbo Nandi-Ndaitwah (Namibias stellvertretende Ministerpräsidentin) und Henning Melber (Nordic Africa Institute). Bei BBC-FoA Einschätzungen von Maggie Forceledo (One TV Namibia). Bei CNN ausführliche Erläuterungen von David McKenzie, eine Erklärung von Zain Asher über das Verbrechen der Kolonisation Afrikas durch Europa, das jetzt endlich in Europa (Belgien, Britannien, Deutschland) anerkannt wird, und Einschätzungen von Prof. Nic Cheeseman (Afrika-Experte) und Prof. David Olusoga (Historiker). Olusoga: der Genozid an den Herero und Nama fällt nach allen Kriterien unter die Definition des Völkermordes nach Raphael Lemkin, und das haben Historiker schon seit vielen Jahrzehnten eindeutig festgestellt. Es gab einen ausdrücklichen schriftlichen Befahl zum Völkermord, schon 1918 haben die Briten das klar festgestellt. Es hätte niemals noch 100 Jahre dauern dürfen. Deutschland ist verdammt langsam, und es will keinen Präzedenzfall schaffen für Reparationszahlungen z.B. an Polen und Griechenland.  ¤¤    (Leider keine Videos von all dem bei YT.)

Bei den deutschen Sendern ist ein von Deutschland verübter Völkermord nicht das wichtigste Thema, alle berichten erst weiter hinten, die privaten Sender praktisch gar nicht. Die Kritik der Nachfahren der Überlebenden am Abkommen wird immerhin erwähnt, bei den Tagesthemen sogar ausführlich. Hier ein Gespräch mit Joshua Kwesi Aikins (Politologe) über Deutschlands Kolonialamnesie.  ¤

A,B,C,JA

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zus.51

zus.18

 

 

 

           
29.5.21

In Kanada wurden bis in die 90er-Jahre hunderttausende Kinder von Indigenen mit Gewalt ihren Eltern weggenommen und in "Indianer- Internate" gesteckt, wo sie "umerzogen" werden sollten und mißhandelt wurden. Ein kultureller Genozid. Auf dem Friedhof eines dieser Internate in British Columbia sind jetzt die Überreste von 215 Kindern entdeckt worden. Es ist noch unklar, wie sie zu Tode kamen. Bei AJE ein Bericht, weitere Infos von Tricia Logan (Historikerin). Meldung bei den Tagesthemen.

A,TT zus.7
           
1.6.21

Zwei Berichte über das katholische Internat in Kamloops (British Columbia). Dort und in ähnlichen Einrichtungen hat der kanadische Staat jahrzehntelang Kinder von Indigenen "umerziehen" lassen - vermutlich haben mehr als 6000 die Gewalt und Folter nicht überlebt. In Kamloops sind jetzt die Leichen von 215 Kindern entdeckt worden. Die Angehörigen verlangen eine volle Aufklärung auch bei den anderen Anstalten. Berichte von Johannes Hano und Christiane Meier.  ¤

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7.6.21

 

Die Nachfahren der Überlebenden der deutschen Völkermorde in Namibia lehnen die Einigung zwischen den Regierungen von Deutschland und Namibia ab, mit der Deutschland sich von einer echten Anerkennung seiner Schuld freikaufen will. Die Betroffenen waren von den Verhandlungen ausgeschlossen, und sie sollen keine direkten Reparationen erhalten. Ein geplanter Besuch des deutschen Außenministers und des Bundespräsidenten in Namibia ist inzwischen abgesagt worden. Bericht von Fahmida Miller, Erläuterungen von Prof. Jürgen Zimmerer (Historiker, Uni Hamburg).  ¤

Dazu auch die "Inside Story: How should countries deal with historical atrocities?" - Sohail Rahman spricht mit Pena Brock (Namibia Institute for Democracy), Henning Melber (Historiker) und Prof. Phil Clark (Völkerrechtler, Autor von "Distant Justice").  ¤

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8.6.21

Das Bosnien-Kriegsverbrechertribunal der UN hat in letzter Instanz das Urteil gegen den früheren Anführer der bosnischen Serben, General Ratko Mladic, bestätigt. Der Hauptverantwortliche des Massakers von Srebrenica (1995) wurde wegen Völkermord und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt.

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9.6.21

Die meisten Nachkommen der Herero und Nama in Namibia lehnen das Abkommen ihrer Regierung mit Deutschland ab. Statt einer lauen Entschuldigung und "freiwilligen" Entschädigungszahlungen wollen sie eine völkerrechtlich bindende Entschuldigung für den Völkermord, echte Reparationen und eine Garantie, daß die versprochene Hilfe auch bei ihnen ankommt. Bericht von Richard Klug.

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12.6.21 "Redacted Tonight" - Lee Camp über die Umerziehungslager in Kanada für entführte Kinder der Indigenen. In diesen "Eingeborenenschulen" wurden tausende Kinder getötet, ein kultureller Genozid.  ¤ RT 11
           
22.6.21

 

 

 

Der australische Historiker Dirk Moses stellt in seinem Text "Der Katechismus der Deutschen" die angebliche "Singularität" des Holocaust infrage und wundert sich über die quasireligiöse Rigidität, mit der in Deutschland (und teilweise auch in den USA) jede abweichende Meinung zu dem Thema als Ketzerei verfolgt wird. (Der Beitrag bei "kulturzeit" verwendet dafür das Wort "Schuldkult", das in Moses' Artikel nicht vorkommt. Das Wort ist giftig, denn es wird von Nazis benutzt, um die Erinnerung an den Holocaust abzuwerten.) Moses will aber im Gegenteil, daß auch andere Verbrechen, wie die kolonialen Völkermorde an den Herero und Nama, anerkannt werden. Er sieht sich als Kämpfer gegen die weiße Vorherrschaft. "Der Holocaust reiht sich historisch ein in ein Spektrum von durch Paranoia verursachten Genoziden." Auch andere Historiker weisen darauf hin, daß Vergleichen genau das ist, was Historiker ständig machen, um Unterschiede und Besonderheiten eines Ereignisses herauszuarbeiten. Volker Beck behauptet dagegen ernsthaft, es habe sowas vorher und nachher nie wieder gegeben, daß ein Regime eine Gruppe komplett vernichten will und diesen Vernichtungswillen sogar über seine eigene Selbsterhaltung stellt. (Beck leugnet damit den Völkermord an den Tutsis. Was daran besser sein soll als an Holocaustleugnung, weiß ich nicht.) Die auf den Holocaust fixierte Erinnerungspolitik führt dazu, daß jede Israelkritik hysterisch als Antisemitismus verunglimpft wird. Wie es z.B. die jüdische Philosophin Susan Neiman zu spüren bekam. Neiman weist auf die Universalität des Holocaust hin und appelliert, eine "Opferkonkurrenz" zu vermeiden.  ¤

Der Beitrag ist nicht schlecht, der Text von Moses aber wirklich gut, wichtig, lesenswert!

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24.6.21

In Kanada ist in einem weiteren früheren Umerziehungslager für Kinder von Indigenen ("Indianerschulen") ein Massengrab mit den Leichen von über 600 Kindern entdeckt worden. Das Lager war bis in die 1970er-Jahre von der katholischen Kirche betrieben worden.  ¤

A,E zus.6
                 
29.6.21

In Namibia breitet sich Corona (offenbar die Delta-Variante) explosionsartig aus. Die Krankenhäuser sind überfüllt, es gibt keinen Impfstoff mehr, nur 1 % der Bevölkerung ist geimpft. - Die USA haben ein Abkommen mit Namibia geschlossen über den Bau einer großen Solaranlage zur Erzeugung von "grünem Wasserstoff". - Zugleich wird auch das Projekt zur Erölförderung im Okavangodelta weiter betrieben. - Richard Quest spricht über alle drei Themen mit Namibias Finanzminister Ipumbu Shiimi. Die Ölförderung verteidigt er, weil es noch für einige Jahrzehnte eine erdölbasierte Industrie geben werde und das Land die Öleinnahmen brauche. 

Die taz hat gestern berichtet, daß auch zwei der Unterhändler der Hereros an Corona gestorben sind. Trotz aller Völkermord-Schuldbekenntnisse macht die deutsche Regierung keine Anstalten, dem Land in der Notlage zu helfen.

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1.7.21

In Kanada sind an weiteren Orten Massengräber von Indigenen-Kindern aus den katholischen Umerziehungs-Internaten entdeckt worden, insgesamt inzwischen weit über 1000 Kinderleichen. Es gibt Protestdemonstrationen, Forderungen, der Papst solle sich entschuldigen, und mehrere Fälle von Brandstiftungen gegen Kirchengebäude. Eine jahrhundertealte Kirche in Morinville (Alberta) brennt nieder. Bericht bei AJE. RT widmet sich dem Thema ebenfalls ausführlich.   ¤

A,RT

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1.8.21

 

 

"Die Debatte um das Gedenken" - Beitrag über den Streit unter Historikern darüber, ob es eine Verbindung gibt von den Verbrechen des Kolonialismus zum Völkermord der Nazis an den Juden. Für amerikanische Historiker wie Michael Rothberg steht das schon lange außer Frage, das "multidirektionale Erinnern" erfordert ein globales Denken und lehnt eine Hierarchie der Opfer ab. In Deutschland vertritt u.a. Jürgen Zimmerer diese Position. "Die Konzepte der Nazis, Genozid, Rassentrennung, Rassenstaat, wurden bereits 1904 in Deutsch-Südwestafrika ausprobiert, sie sind weit älter als der Nationalsozialismus." Israelfans wie der Rechtsextremist Michael Wolffsohn sehen dadurch auf einmal ihr Geschäftsmodell bedroht, das die Erinnerung an den Holocaust als Existenzberechtigung des "jüdischen Staates Israel" instrumentalisiert. Witzigerweise wirft Wolffsohn nun den Globalhistorikern genau das vor: sie würden den Holocaust gegen das "Existenzrecht" Israels instrumentalisieren. Götz Aly begründet die angebliche Einzigartigkeit des Holocaust und leugnet damit praktisch den Völkermord an den Tutsi, auf den sämtliche seiner Argumente ebenso zutreffen. Zimmerer dazu: mit dem Ansatz der "Singularität" wird eine Wiederholung des Ereignisses ausgeschlossen, somit kann es auch kein Lernen aus der Geschichte geben. - Die Worte "Ruanda" und "Tutsi" kommen im Beitrag nicht vor. Es ist in Deutschland offenbar normal, wenn Historiker (und Journalisten) mit diesen Worten nichts anfangen können. Ruanda war übrigens auch mal deutsche Kolonie, und der Völkermord an den Tutsi eine Spätfolge der aus Deutschland importierten Rassenideologie.  ¤¤

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3.8.21

Wie in Kanada hat man auch in den USA über 100 Jahre lang den Ureinwohnern ihre Kinder weggenommen und in Umerziehungslager gesteckt, wo sie mißhandelt und in zahllosen Fällen getötet wurden. Das Ziel war die Zerstörung der Identität und Kultur der Ureinwohner, unter dem Markenzeichen, ihnen die "Zivilisation" zu bringen. Auch in den USA werden nun bei diesen "christlichen" Internaten die namenlosen Gräber von tausenden Kindern gefunden. Rob Reynolds berichtet aus South Dakota, Gespräch mit Woody Lee (indigene Hilfsorganisation Utah Diné Bikéyah).  ¤

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